Überwältigende Mehrheit will keinen Bahnhalt in der Au

Informationsveranstaltung der Stadt Weilheim trifft auf großes Interesse – Aussage der BEG über Nutzerzahlen stößt auf Unverständnis und Kritik – Spontanabstimmung ergibt 5* Be-fürworter

Geschätzt 120 Anliegerinnen und Anlieger aus dem Wohngebiet in der Au und der Geistbühelstraße wurden bei dem Expertentreffen in der Stadthalle von allen relevanten Planungsbeteiligten über den aktuellen Sachstand zum Vorhaben „Bahnhalt Weilheimer Au“ informiert.
Ungläubigkeit und Kritik sah sich bei seinem Kurzvortrag Dr. Johann Niggl, Geschäftsführer der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) ausgesetzt, nachdem er die Zahl von 350 Ein- und Auspendlern pro Tag als Hauptargument für den geplanten Bahnhalt nannte. „Unser internes Verfahren zur Ermittlung möglicher Nutzer hat diesen Wert ergeben, besonders zählen dabei Schülerinnen und Schüler aus dem Peißenberger und Schongauer Raum. Das bedeutet für uns, es ergibt volkswirtschaftlich einen Nutzen!“ Dazu sein Hinweis: Die Bayerische Eisen­bahn­ge­sell­schaft (BEG) plant, finan­ziert und kontrol­liert im Auftrag des Bay. Verkehrsministeriums den Regional- und S-Bahn-Verkehr in Bayern.
Das Zahlenmaterial rundweg in Frage stellte Frau Olbrich, Anwohnerin aus der Au. Eine Nachfrage des ehemaligen Schulleiters des Weilheimer Gymnasiums, Hermann Summer, unter den EinpendlerInnen an seiner Schule habe schon im Frühjahr 2016 ergeben, dass sie diesen Halt nicht nutzen werden. Gleiches berichteten damals Schülerinnen der Realschule. Der Grund? Auf dem durchaus längeren Weg vom „Hauptbahnhof“ zur Schule kommt man an zahlreichen Geschäften vorbei, die schnell mal zum Einkauf genutzt werden, insbesondere in der Fußgängerzone. Nichts davon erwartet einen entlang der Geistbühelstraße, nach dem Aussteigen am Bahnhalt in der Au!
Bliebe noch ein gewisses Restpotenzial an Ein- und Aussteigern durch Arbeitnehmer-Innen mit Zielrichtung Gewerbegebiet Trifthof. Dazu meinte Michael Kittel, „es ist wohl kaum zu erwarten, dass ein ans Auto gewöhnter Arbeitnehmer plötzlich zum Bahnnutzer werde, der zudem noch – nach dem Ausstieg – zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu seiner Arbeitsstelle im Gewerbegebiet müsse.“
Hierzu offizielles Zahlenmaterial (Umfrage der Stadt v. Jan. 2016):
Von 168 Befragten (Gewerbetreibende und Eigentümer) im Trifthof äußerten sich 85 Personen, also ca. 50 Prozent. Davon zeigten 50 Interesse, 35 kein Interesse. 
Bei 106 befragten Trifthof-Anwohnern äußerten sich 19, wobei 13 Interesse zeigten, 6 Personen ohne Interesse.
Wie geht´s jetzt weiter?
Am nächsten Dienstag, 20.02.18, wird das Thema „Bahnhalt in der Au“ im Bauausschuss (großer Rathaus-saal) erneut besprochen, TOP 19 (vorauss. gg. 12 – 13 Uhr).


*) Zweimal kam aus dem Zuhörerkreis die Aufforderung nach einer Abstimmung. Beim ersten Mal hoben
drei Befürworter, beim zweiten Mal fünf die Hand für einen Bahnhalt.

ah

3 Kommentare

Eingeordnet unter entlang der Au, WMer Stadtteil "In der Au"

3 Antworten zu “Überwältigende Mehrheit will keinen Bahnhalt in der Au

  1. Kittel

    Hallo Herr Honisch,

    die Infoveranstaltung hat erneut eindeutig gezeigt, dass dieser Bahnhalt eine einzige unausgegorene Geschichte ist, nicht nur von der Bahn sondern mittlerweile auch von der Stadt. Und spiegelt auch die komplette Ablehnung der betroffenen Anwohner wider, und wenn man das hochrechnet, auch der Bevölkerung Weilheims, die ganz andere Infrastrukturprobleme plagen.
    Zunächst, der von Ihnen erwähnte und mir zugeschriebene Redebeitrag (zwar richtig im Inhalt) , kam von einem anderen Mitstreiter. Richtig ist dazu, dass niemand den Zug nehmen wird, wenn er anschliessend in den Trifthof z.B. zum anderen Ende marschieren muss, das sind dann auch mindestens 800m ? Der fährt weiterhin Auto.
    Und die Schüler haben kein Interesse.
    Zu den Fahrtgastzahlen der BEG ist noch zu erwähnen, dass mit keinem Wort erwähnt wurde, zu welcher Tageszeit denn diese angeblichen Nutzer ein- und aussteigen. Der Zug soll hier 47mal täglich halten, aber niemand kann mir erzählen, dass hier (nachdem die paar Schüler/Arbeitnehmer ein-, ausgestiegen sind), dann mittags oder nachmittags, geschweige denn z.b. zwischen 19.00 Uhr und 00.30 Uhr , oder um 5.00 Uhr hier jemand ein- und aussteigt. d.h. zu 95% wird hier sinnlos gehalten. Und wie ich auch sagte, das ganze bedeutet doch u.U. nur eine Verlagerung der Fahrgastzahlen vom Bahnhof zum Bahnhalt. Und keine neuen Fahrgäste !!!! und nimmt den Busbetreibern die zahlenden Gäste weg, die jetzt die Strecken Richtung Schongau bedienen !!! Wurden die schon befragt ?
    Und will die Stadt hier wirklich deswegen diese Kosten für die Untertunnelung (wegen ein paar Risikokandidaten der illegalen Querer, dafür kann die Bahn auch an den entsprechenden Stellen Zäune bauen) und bisher noch ungeklärter „Infrastruktur“ auf sich nehmen, die ja sowieso eigentlich unnötig ist, denn es geht ja nur um wenige Nutzer zum Ein- und Aussteigen !!!!
    Der Bauauschuss am Dienstag ist nun als erster gefragt, diesem Spuk ein Ende zu machen, und als erster ein Zeichen zu setzen, und diese Angelegenheit ein- für allemal zu beerdigen. Und den demokratischen Willen der Beteiligten, nämlich der Bevölkerung umzusetzen.

    • Sabine Kleber

      Lieber Herr Kittel,
      vielen Dank für Ihren treffenden Kommentar.
      Ich bin beeindruckt, wie die Anwohner der Au und der Geistbühelstrasse sich ohne vorherige Absprachen einig sind und sich solidarisieren.
      Dieser Bahnhalt ist nicht notwendig.

      Sabine Kleber

  2. Lorenz Kleber

    Hallo Herr Honisch,
    zunächst vielen Dank für Ihr Engagement für die Bürger in der Au und der gesamten Stadt Weilheim.
    Zum Kommentar von Herrn Kittel und zur Informationsveranstaltung am vergangenen Donnerstag möchte ich noch folgendes anmerken:
    1. Die Veranstaltung war schlecht vorbereitet. Sowohl die EDV, technische Anlage, als auch das Wissen und die Antworten der Podiumsteilnehmer, sowie die Moderation waren mangelhaft. Ein professioneller Moderator hätte der Veranstaltung gut getan. Zu Beginn einer Veranstaltung sollten immer die Agenda und das Ziel der Veranstaltung vorgestellt und die Spielregeln geklärt werden.
    2. Die Planung des Bahnhalts ist nicht durchdacht und auch nicht zu Ende gedacht. (Parkplätze, barrierefreie Zugänge und Zufahrten, Grundwasserproblematik, Schließzeiten der Bahnschranke, Rettungswege usw). Zum Beispiel die Frage nach der Parkplatzsituation während der Veranstaltung hat die Verantwortlichen überrascht. Dies ist der Beweis, dass das Bauvorhaben und die Infrastruktur dilettantisch geplant wurden und zum Scheitern verurteilt sind. Es fehlt gänzlich ein Gesamtkonzept.
    3. Die prognostizierten Fahrgastzahlen der Bahn basieren auf einer Wahrscheinlichkeitsrechnung und somit auf nicht belegbaren und bewiesenen Zahlen. In der freien Wirtschaft würden diese Herren für solche Hypothesen weder die Zustimmung Ihrer Vorgesetzten noch einen Cent für Ihr Bauvorhaben bekommen. Die Stadt Weilheim darf hier auf keinem Fall eine Zustimmung erteilen. Dies wäre fahrlässig und würde dem Staat und der Stadt vorsätzlichen Schaden zufügen. Die Bewilligung eines Bauvorhabens in Millionenhöhe muss auf belegbaren Zahlen und Fakten basieren.
    4. Mehr als 95% der teilnehmenden Bürger an der Veranstaltung sind gegen den Bahnhalt! Wenn hier der Stadtrat und der Bürgermeister das Vorhaben dennoch durchwinken, dann wünsche ich Ihnen jetzt schon viel Glück bei den nächsten Wahlen.
    5. Die Fragen, Bedenken und Anliegen der Bürger waren dem Bürgermeister sichtlich unangenehm. Ihm fehlt hier ganz klar die Leidenschaft für die Anliegen der Bürger.
    6. Da die anwesenden Stadträte, mit Ausnahme von zwei Meldungen, bei der Versammlung dem Bahnhalt nicht zustimmten, gehe ich davon aus, dass Sie sowohl im Bauausschuss als auch im Stadtrat dagegenstimmen werden.
    7. Auffallend waren die betretenen und betroffenen Mienen der Stadtoberen. Durch die völlig abweichende und mit 95% bestätigte Meinung der Bürger ist ersichtlich, dass die Bürgernähe in diesem Fall verloren gegangen ist. Dies ist ein Grund der hohen Politikverdrossenheit in unserer Gesellschaft und in den kleinsten Zellen unserer Stadt findet diese Ihren Anfang.
    8. Die Verschwendung von Steuergeldern werden wir Bürger nie verhindern können, aber die Kosequenzen werden die Verantwortlichen tragen müssen.
    9. Wenn eine Prüfung der Fakten ergibt, dass ein Projekt nicht sinnvoll ist, dann ist es ehrlich und mutig, eine Entscheidung zurückzunehmen. Dies verdient Hochachtung. Lassen sie uns das Ziel einer vernünftigen Stadtplanung gemeinsam verfolgen und den Bruch zwischen Bürger und Stadtführung vermeiden.

    Kritik- und Fehlerkultur sind die Schatzkiste einer jeden Firma,Vereinigung oder Gemeinschaft.
    Wir müssen diese nutzen um zum Wohl der Bürger besser zu werden.

    Vielen Dank!
    Lorenz Kleber

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